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Bunny Rogers - Kind Kingdom: Die Kunst der Trauer

Das Kunsthaus Bregenz trifft mit der jungen, U.S.-amerikanischen, multimedial agierenden Künstlerin Bunny Rogers (geb. 1990 in Houston, Texas, USA) mitten in ein Thema, das im medialen Diskurs weitgehend tabuisiert wird. Es geht um den existentiellen Umgang mit Trauer und Tod. Der Befund des Bregenzer Kunsthauses lautet: „Heute ersetzen digitale Kulte und Phänomene hysterischer Fassungslosigkeit herkömmliche Erinnerungstechniken.“ Wenn traditionelle Rituale der Trauer für ganze Bevölkerungsschichten wegbrechen, weil u.a. die Kirchen heute massiv an Mitgliedern einbüßen, dann ist es nur logisch, dass gesellschaftliche Player wie Kunstinstitutionen dieses Phänomen aufgreifen und der Auseinandersetzung mit Tod und Trauer, die seit jeher zentrale Themen in der Kunst sind, eine Bühne bieten. Es ist die visuelle Kunst, wie sie Bunny Rogers anbietet, die in großer Freiheit jedem Einzelnen einen sinnvollen Umgang mit dem Tod anbieten kann, inklusive der Frage nach dem Leben nach dem Tod, die sich, laut Bunny Rogers, immer wieder ändert und ändern darf.

Das Erdgeschoß zeigt im violett flirrenden Licht einen Grabhügel auf beinahe flächendeckendem Rasen mit einem Selbstportrait der Künstlerin auf einer Staffelei. Es handelt sich um ein fantasiertes Begräbnis für sie selbst, wie Bunny Rogers erklärt. Auf dem Rasen finden sich Schokoladenherzen, Buketts und Kränze. Ihre Ideen hat sie aus ihrer frühen Kindheit, wie so vieles Geniale in der Kindheit grundgelegt scheint. Sie verarbeitet im Kunsthaus Bregenz etwa ihre TV-Erfahrung des Begräbnisses von Lady Diana, als sie selbst sieben Jahre alt war. CDs von Elton John und Teddybären zum Abschied der Prinzessin der Herzen illustrieren dies. Im ersten Stock ist der Grabhügel durch einen Müllhaufen ersetzt, auf dem Rasen liegen die Überreste einer „Begräbnisparty“. Coladosen, Weinflaschen und Tortenreste auf Pappbechern stehen für einen zeitgenössischen Leichenschmaus. Im zweiten Stock kippt die kollektive Metapher in eine individuelle Mythologie: Wie ein konstruktivistisches Stonehenge gruppieren sich Betonklötze um ein leeres Zentrum. Im Beton sind kurze bis langstielige Rosen verewigt, als Sinnbild für die Schönheit, die vergehen muss. Im dritten Stock wurden für die Show tausende Fliesen handverlegt. Aus Duschknöpfen rieselt Wasser, und Dunst bildet sich. Eine Anspielung auf Duschräume wie etwa in der Columbine High School, die 1999 Schauplatz eines Schulmassakers geworden ist. Die Analogie zu den als Duschräume getarnten Gaskammern in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten, die für Millionen von Menschen massenhaften Tod brachten, ist dabei ebenfalls nicht zu leugnen.

Bunny Rogers bekennt: „Der Tod ist immer ein hartes Thema, egal ob für eine Familie, eine Gemeinschaft oder eine Nation.“ Wenn ein junger Mensch die Endlichkeit des Lebens seiner nächsten Mitmenschen erkennen muss, dann ist das mitunter der Grund für unendliche Trauer. Auch die Künstlerin selbst hat über Jahre an Depression gelitten. Der Tod der Liebsten und eigene Todessehnsucht sind vor allem bei der Jugend generell ein zeitloses Thema. Ein Beispiel hierfür ist der Todeskult der Deutschen Romantik. Der junge Novalis wollte unbedingt seiner verblichenen Geliebten Sophie nachsterben. Bunny Rogers schafft es, mit ihrer Kunst für diesen jugendlichen Todeswunsch eine zeitgemäße Form zu finden.

Bunny Rogers - Kind Kingdom
18.01 - 13.04.2020

Kunsthaus Bregenz
6900 Bregenz, Karl Tizian Platz
Tel: +43 5574 48 594-0, Fax: +43 5574 48 594-8
Email: kub@kunsthaus-bregenz.at
http://www.kunsthaus-bregenz.at
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Do 10-21 Uhr


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